Gespielt bis in die Abgründe der Seele

Eine junge, sehr ausstrahlungsstarke Pianistin aus Serbien war auf Einladung des Kulturkreises Wienhausen zu Gast im dortigen Kloster: Mirjana Rajić. Man durfte gespannt sein, denn Rajić eilt ein guter Ruf voraus.

Schon bei den späten Bagatellen Ludwig van Beethovens horchte man auf. Rajić geht ganz in die Feinheiten der Partitur. Jeder Bogen wird ausgekostet, jeder Akzent wohl dosiert. Rajić lässt sich viel Zeit ohne dass deshalb ihr Spiel auch nur einen Moment schleppend erscheinen würde. Sie versucht erst gar nicht, die wie Fragmente erscheinenden Stücke als in sich geschlossen erscheinen zu lassen sondern belässt sie in ihrer fragenden Offenheit. Nähe zum Streichquartettspätwerk Beethovens wird auf diese Weise umso klarer.

In Debussys erstem Heft der „Images“ war es dann umso staunenswerter und ohrenberauschend zu erleben, wie es Rajić gelang, eine höchst sinnliche Interpretation abzuliefern. Und Prokofjews 8. Klaviersonate geriet Rajić so die Seelenabgründe aufreißend, dass man tief beeindruckt war.

Cellesche Zeitung, 29.01.2008

Mit großem Gespür für das Wesen der Musik

Am Mittwoch gab Mirjana Rajić ihr Festival-Debut im Bottroper Kulturzentrum-schwer beeindruckend! Schubert, Debussy, Liszt, das sind die Klavierkomponisten schlechthin, an denen man sich leicht „verheben“ kann. Doch Rajić, die in Belgrad geborene Künstlerin, verfügt über eine sichere Technik, gute Kondition, unerschöpfliche Vitalität und vor allem intelligentes Gespür für das Wesen der Musik. Hinter der Fröhlichkeit der A-Dur-Sonate aus Franz Schuberts Todesjahr entdeckt sie das Brüchige, das Morbide. Vor die heitere Sonne ziehen immer wieder graue Wolken wie im zweiten Satz. Da verstummt das beharrliche Pochen der linken Hand, wild flirrende Tongirlanden zucken aus dem Klavier, ein Unwetter bricht herein, Blitz und Donner inklusive. Rajić inszeniert das Geschehen, macht es packend erfahrbar. Und sie hat Sinn für das Liedhafte, von dem Schuberts ausgedehntes Rondo-Finale deutlich geprägt ist. An dessen Ende droht die Musik zu verstummen, wird fragmentiert und speist sich aus Erinnerungsstücken des Vorangegangenen. Diesen Schubertschen Koloss hatte die Interpretin gleich an den Anfang ihres Auftrits gesetzt. Debussys „Images“ führten wiederum in eine ganz andere Welt. Hier ging es um das Zusammenspiel aus Licht und Wasser („Reflets dans l’eau“), um die Huldigung an Rameau, den französischen Meister des Barock und um eine fantastische Klangstudie („Mouvement“), in der Mirjana Rajić ein ganzes Feuerwerk an Klavierfarben verspruehte. Schliesslich Franz Liszt, der Tastenlöwe des 19. Jahrhunderts. Mit seiner „Tarantella“ gibt er den Pianisten ein Bravourstück in die Hände, das seine Wirkung nie verfehlt. Auch das Bottroper Publikum war ganz aus dem Häuschen“ (csw)

onruhr.de Kultur 3, 15.06.2007

Ein außergewöhnliches Meisterkonzert

Ein wahres Meisterkonzert…So stand der Rostropowitsch-Schüler (David Geringas), längst eigenständig und weltweit anerkannt, neben der Pianistin Mirjana Rajić (aus Belgrad stammend) und dem Russen Mikhail Ovrutsky (Violine). Die Biographien der jungen Künstler wetteifern im Hinblick auf die Prominenz der Lehrer, auf die Anzahl nationaler und internationaler Wettbewerbs- und Konzerterfolge in Europa und Übersee. So ergab sich eine Mischung aus der enormen Erfahrung des Älteren und dem „Sturm und Drang“ der Nachfolgenden. Was sich als Ergebnis darstellte, erfreute das Publikum über alle Maßen und bereitete den Interpreten auch sichtlich Freude.

David Geringas widmete dem Schostakowitsch-Trio opus 67 zu Beginn sehr persönliche Worte. Dem folgte eine Wiedergabe, die dem Protest nach anfänglichem „Abtasten“ ebenso Raum gab wie der grotesken In-Frage-Stellung, schließlich dem entfesselten Taumel des Finales – das Publikum dankte mit ergriffenen Schweigesekunden, dann mit stürmischem Beifall, schließlich doch noch mit dem Allegro-Satz beschwichtigt.

Dresdner Neuste Nachrichten, 05.12.2006

Mitreißender Beethoven

In Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur fanden die in Belgrad geborene Pianistin und Ekkehard Klemm zu mustergültiger Gemeinsamkeit, die zu einer durch und durch musikantischen Wiedergabe führte. Dabei zeigte die Solistin ein staunenswertes Repertoire an technischen Fähigkeiten, zum Beispiel flüssige Läufe in hoher Geschwindigkeit und eine deutlich markierte Partie der linke Hand. Der zweite Satz gab ihr zudem die Möglichkeit, lyrische Passagen ausdrucksvoll zu gestalten. Es muss für Klemm ein Vergnügen gewesen sein, diese Solistin zu begleiten. Das Publikum zeigte sich zu Recht von diesem Konzertabschluss höchst animiert.

Dresdner Neuste Nachrichten, 25.01.2005

Der Geist der Feinfühligkeit

Die virtuose Leichtigkeit der Schlusssätze im Gegensatz zu tief durchdachtem Mittelteil weisen auf ein Amalgam aus jugendlichem Enthusiasmus und ernster Erfahrung hin, was insbesondere die Aufführung von Mozarts Klavierkonzert in A-Dur, K 414 zusammen mit der Pianistin Mirjana Rajić gekennzeichnet hatte. Leicht gedämpfter, aber samtener Ton der Pianistin schließt jeden möglichen emotionalen Ausdruck aus, der mit der äußeren Affektivität den authentischen Geist der Feinfühligkeit gefärden würde. Das Selbstbewusstsein, das aus guter Bildung und gründlichem Widmen hervorgeht, ermöglicht der Pianistin Mirjana Rajić eine interpretativ-freie, klanglich ausgeglichene und übersichtliche Aufführung, ohne jede Unsicherheit.

POLITIKA, 29.06.2004